Richtig aufstehen ohne fremde Hilfe zu Hause
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Richtig aufstehen ohne fremde Hilfe zu Hause

Der Moment nach dem Aufwachen, nach einer Pause im Sessel oder beim Verlassen des Sofas entscheidet oft darüber, wie sicher der weitere Tag beginnt. Richtig aufstehen ohne fremde Hilfe bedeutet nicht, alles mit Kraft zu erzwingen. Es bedeutet, den eigenen Körper gut zu unterstützen, langsam vorzugehen und die Wohnung so einzurichten, dass Bewegungen wieder verlässlich gelingen.

Wer beim Aufstehen unsicher ist, muss sich dafür nicht schämen. Mit zunehmendem Alter lassen Muskelkraft, Gleichgewicht oder Beweglichkeit manchmal nach. Auch Schmerzen in Hüfte, Knie oder Rücken können eine vertraute Bewegung anstrengend machen. Kleine Veränderungen im Ablauf und passende Alltagshilfen können dann viel bewirken - für mehr Sicherheit und das gute Gefühl, den Alltag weiterhin selbst zu gestalten.

Richtig aufstehen ohne fremde Hilfe: Die Grundregel

Die wichtigste Regel lautet: Erst stabil sitzen, dann bewusst aufstehen, dann kurz stehen bleiben. Hektik ist beim Aufstehen ein häufiger Grund für Unsicherheit. Gerade nach dem Liegen kann der Kreislauf etwas Zeit brauchen, um sich anzupassen.

Achten Sie darauf, beide Füße fest und möglichst hüftbreit auf den Boden zu stellen. Rutschen Sie im Sitz etwas nach vorne, damit Ihre Beine nicht weit vor dem Körper stehen. Beugen Sie den Oberkörper leicht nach vorn, als wollten Sie mit der Nase über die Zehenspitzen schauen. Drücken Sie sich dann über die Armlehnen, die Matratze oder eine stabile Sitzfläche nach oben.

Die Hände gehören dabei nicht an einen wackeligen Tisch, einen leichten Stuhl oder den Rollator. Ein Rollator kann beim Hochziehen nach vorne kippen - auch wenn die Bremsen festgestellt sind. Nutzen Sie ihn erst, wenn Sie sicher stehen und sich einen Moment gesammelt haben.

Bleiben Sie nach dem Aufrichten zwei oder drei Atemzüge lang stehen. Wenn Ihnen schwindelig wird, setzen Sie sich wieder hin. Erst wenn sich der Kopf klar anfühlt und Sie einen festen Stand haben, gehen Sie los.

Sicher aus dem Bett aufstehen

Aus dem Bett aufzustehen ist leichter, wenn Sie nicht versuchen, sich direkt gerade nach oben zu setzen. Diese Bewegung belastet Rücken und Bauchmuskeln oft unnötig. Besser funktioniert ein Ablauf in mehreren kleinen Schritten.

Drehen Sie sich zunächst auf die Seite. Schieben Sie die Unterschenkel gemeinsam über die Bettkante und stützen Sie sich gleichzeitig mit den Händen auf der Matratze ab. So kommen Sie in eine sitzende Position. Sitzen Sie kurz am Bettrand, bevor Sie die Füße ganz aufstellen und aufstehen.

Ist das Bett sehr niedrig, wird diese Bewegung deutlich schwerer. Die Knie müssen dann stärker gebeugt werden, und es fehlt der nötige Hebel zum Hochkommen. Eine passende Betthöhe hilft deshalb mehr, als viele zunächst vermuten. Ideal ist eine Höhe, bei der beide Füße sicher den Boden erreichen und die Knie beim Sitzen etwa rechtwinklig stehen.

Ein stabiler Bettgriff kann zusätzliche Sicherheit geben. Er dient als fester Halt beim Drehen, Hinsetzen und Aufstehen. Wichtig ist, dass er zum Bett passt, korrekt befestigt ist und nicht nur lose zwischen Matratze und Rahmen liegt. Für manche Menschen ist auch ein elektrisch verstellbares Bett eine spürbare Entlastung, weil es Rücken und Beine in eine günstigere Ausgangsposition bringt.

Wenn das Aufstehen morgens besonders schwerfällt

Morgendliche Steifheit ist bei vielen Menschen mit Gelenkbeschwerden bekannt. Planen Sie deshalb ein paar Minuten mehr ein. Bewegen Sie im Liegen zuerst Füße und Beine, öffnen und schließen Sie die Hände und setzen Sie sich dann langsam auf. Kalte Füße oder glatte Hausschuhe machen das Aufstehen zusätzlich unsicher. Feste, geschlossene Schuhe oder rutschhemmende Hausschuhe geben mehr Halt.

Vom Stuhl oder Sessel aufstehen

Nicht jeder bequeme Sessel ist auch gut zum Aufstehen geeignet. Sehr tiefe, weiche Möbel lassen den Körper einsinken. Dann befinden sich die Hüften weit unterhalb der Knie, und es braucht viel Kraft in Beinen und Rücken, um wieder hochzukommen. Besonders schwierig sind Sitzmöbel ohne Armlehnen.

Ein geeigneter Stuhl hat eine eher feste Sitzfläche, stabile Armlehnen und eine Höhe, bei der die Füße gut auf dem Boden stehen. Setzen Sie sich zum Aufstehen an die vordere Sitzkante. Stellen Sie die Füße nicht zu weit nach vorne, sondern etwas unter die Knie. Dann verlagern Sie das Gewicht nach vorn und drücken sich über beide Armlehnen hoch.

Reicht die Kraft dafür nicht aus, kann eine Sitzerhöhung sinnvoll sein. Sie erhöht die Sitzfläche und verkürzt damit den Weg nach oben. Ein Aufstehsessel oder ein Sitzkissen mit Aufstehunterstützung kann ebenfalls helfen, wenn das Aufstehen aus dem Lieblingssessel regelmäßig zur Belastung wird. Welche Lösung passt, hängt davon ab, ob vor allem die Sitzhöhe, die Beinkraft oder die Beweglichkeit eingeschränkt ist.

Beim Sofa gilt dasselbe. Ein sehr niedriges Sofa mag gemütlich sein, ist aber kein guter Ausgangspunkt für sicheres Aufstehen. Manchmal reicht es schon, den bevorzugten Platz gegen einen festeren Sessel mit Armlehnen zu tauschen. Das ist keine Einschränkung, sondern eine praktische Entscheidung für mehr Selbstständigkeit.

Die Wohnung macht den Unterschied

Sicheres Aufstehen endet nicht im Moment des Hochkommens. Der Weg danach sollte frei, hell und rutschfest sein. Wer nachts aus dem Bett steigt, braucht eine gut erreichbare Lichtquelle. Ein Nachtlicht oder ein Lichtschalter in Bettnähe verhindert, dass Sie im Dunkeln nach Orientierung suchen müssen.

Achten Sie außerdem auf lose Teppichkanten, Kabel und kleine Beistelltische im Laufweg. Besonders nach dem Aufstehen möchte man nicht erst Hindernissen ausweichen müssen. Ein fester Haltegriff an der richtigen Stelle kann im Bad oder an einer Stufe sinnvoll sein. Er muss jedoch fachgerecht montiert sein. Handtuchhalter, Heizkörper oder leichte Möbel sind keine sicheren Haltepunkte.

Auch Kleidung spielt eine Rolle. Zu lange Hosenbeine, glatte Socken oder offene Pantoffeln erhöhen das Risiko auszurutschen. Gut sitzende Kleidung und rutschhemmendes Schuhwerk sind einfache Hilfen, die im Alltag oft unterschätzt werden.

Kraft und Gleichgewicht im Alltag erhalten

Aufstehhilfen erleichtern den Alltag, ersetzen aber nicht jede Bewegung. Wer kann, sollte die Muskulatur regelmäßig und angepasst nutzen. Schon mehrmals täglich bewusst vom stabilen Stuhl aufzustehen und sich wieder langsam hinzusetzen, trainiert Beine und Gleichgewicht. Halten Sie sich dabei zunächst an sicheren Armlehnen fest und üben Sie nur, wenn Sie sich dabei wohlfühlen.

Kurze Wege in der Wohnung, kleine Spaziergänge oder einfache Übungen nach Anleitung einer Physiotherapie können ebenfalls helfen. Es geht nicht um sportliche Leistung. Entscheidend ist, Bewegungen im Alltag möglichst lange sicher ausführen zu können.

Wenn Sie unsicher sind, ob eine Übung zu Ihnen passt, sprechen Sie mit Ihrer Hausarztpraxis oder einer physiotherapeutischen Fachkraft. Das gilt besonders nach einer Operation, bei starken Schmerzen oder nach einem Sturz.

Wann Sie Hilfe holen sollten

Selbstständig bleiben heißt auch, Warnzeichen ernst zu nehmen. Wiederholter Schwindel, neue Schwäche in den Beinen, häufiges Wegknicken, Schmerzen beim Aufstehen oder mehrere Beinahe-Stürze sollten ärztlich abgeklärt werden. Manchmal lassen sich Ursachen wie Medikamente, niedriger Blutdruck oder Gelenkprobleme gezielt behandeln.

Bei plötzlich auftretender einseitiger Schwäche, Sprachproblemen, starken Brustschmerzen, Atemnot oder einer Ohnmacht rufen Sie sofort den Notruf. Versuchen Sie in einer solchen Situation nicht, allein weiterzugehen.

Für Angehörige gilt: Beobachten Sie Veränderungen aufmerksam, ohne jede Bewegung abzunehmen. Oft ist die beste Unterstützung, gemeinsam nach einer passenden Lösung zu suchen - etwa nach einem höheren Sitzplatz, einem sicheren Bettgriff oder einer verlässlichen Notrufmöglichkeit. Bei Lebensfreude60Plus stehen dabei Hilfen im Mittelpunkt, die verständlich funktionieren und den Alltag nicht komplizierter machen.

Ein sicherer Ablauf, ein fester Halt und ein Möbelstück in der richtigen Höhe können aus einem unsicheren Moment wieder eine selbstverständliche Bewegung machen. Genau diese kleinen Erleichterungen schaffen Raum für das, was zu Hause wirklich zählt: den eigenen Tag nach den eigenen Vorstellungen zu leben.

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